Solinger Morgenpost, 23.01.02

"Get holy": Am Sonntag laden "Jesus Freaks" und "OnFire"-Team zur ersten "Jesus Party" ins Getaway ein

Zur Predigt ein frisch gezapftes Bier
Von STEFANIE MERGEHENN

Ein Totenkopf auf schwarzem Shirt: Wie ein Pastor sieht Karsten Schmelzer, genannt "Storch", nicht aus. Doch auf den zweiten Blick ist das Kreuz, das aus dem Schädel ragt, unübersehbar: eine etwas drastische Darstellung dessen, dass Jesus den Tod besiegt hat. Der Gemeindeleiter der Remscheider "Jesus Freaks" wird am kommenden Sonntag, 27. Januar, ab 19 Uhr bei der ersten "Jesus-Pary" im Getaway predigen.

Zusammen mit dem Rupelrather Jugendleiter Wolfgang Arzt entwickelte Storch ein Konzept, die "Message", die sein T-Shirt bezeugt, dorthin zu bringen, wo die Jugendlichen ohnehin sind: in der Diskothek. Denn trotz des regelmäßigen "OnFire"-Gottesdienstes, der erst am vergangenen Sonntag wieder 300 Jugendliche in die Christuskirche Rupelrath zog, und der Jugendgottesdienste, mit denen die "Jesus Freaks" in Remscheid wöchentlich um die 100 Leute in ihr Club-Haus locken, wissen die beiden 30-Jährigen, dass die Kirchenschwelle für viele Jugendliche zu hoch ist.

Auch Jürgen Ries "hatte natürlich selbst erst die traditionelle Kirche im Kopf", als das unorthodoxe Prediger-Gespann den Getaway-Chef fragte, ob er seine "Location" für das Projekt "Get holy" zur Verfügung stellen würde. Doch nicht zuletzt weil die beiden ebenfalls von Arzt mit initiierten "Get God"-Konzerte in den Vorjahren für ein ausverkauftes Haus gesorgt hatten, ließ sich Ries gerne auf die "spannende Idee" ein. Der Get-Chef bekennt aber auch, dass "nicht nur Idealismus" dahinter steckt: "Sonntags ist es relativ leer." Wenn sich außer dem üblichen "Gitarrenpublikum" noch weitere Besucher einfinden würden, wäre das für ihn "auch wirtschaftlich interessant".

Denn der Ausschank läuft während der "Jesus-Party" normal weiter; und nach dem letzten "Amen" überlassen die "Jesus Freaks" Ojo und Dr.Schwingkopf wieder den hauseigenen Discjockeys das Feld. Angst, dass sich zum Heiligen Geist auch reichlich Spirituosen gesellen haben die Veranstalter nicht. Das mit durchschnittlich 23 Jahren schon etwas reifere Sonntagspublikum sei da eher unauffällig. Und Wolfgang Arzt, der die Premiere von "Get holy" moderieren wird, findet es "gemütlich, einfach mal am Tresen zu sitzen und ganz unverbindlich zu gucken, was die Kirche so am Start hat". Zum Beispiel die Band "Brot", die ihre knackigen Texte in rockige Töne packen will.

10 000 Gratis-Postkarten sind im Umland verteilt worden, um alle ab 16 Jahren zur "Jesus-Party" einzuladen. Gratis ist auch der Eintritt - das "Get holy"-Team finanziert sich durch Spenden. Drei Parties sind bis Sommer geplant. "Wenn ,Get holy' nur halbwegs angenommen wird, wollen wir das weiter durchziehen", erklärt Ries. Ein positives Echo gab´s schon: "Der Superintendent findet unsere Idee klasse", freut sich Arzt.

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